Verba Dierum

Institut Philipp Neri

Sonntag, 7. Januar 2007

Sankt Afra ist gerettet!

Was wir, als im Frühjahr die Brandbriefe eintrafen, kaum mehr glaubten erhoffen zu können, was wir dann doch lange Monate voller Spannung verfolgt haben, ist nun geschehen:
Sankt Afra, diese schöne Kirche in günstiger Lage, ist für unseren Gottesdienst gerettet.
DEO GRATIAS!
W.H.W

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Freitag, 23. — Sonntag, 25. Februar 2007

X. Liturgische Tagung in Köln

Die Tagung beginnt mit einem Choralamt. Ich versenke mich in die Psalmen, freue mich der lateinischen Gesänge, freue mich, dieser Kirche anzugehören.
Abends Vortrag, dann Gespräch, morgens wieder ein Vortrag. Und dann die Göttliche Liturgie der griechisch-katholischen Kirche ruthenischer Nation. Ich lasse mich mitreißen von der Kraft dieser Liturgie und sehe: im Innersten bin ich doch Byzantiner.
Zu den Vorträgen des Nachmittags wird der Saal angemessen voll. P. Bernward Deneke referiert über die geistliche Aussage der römischen Liturgie. Wer immer P. Deneke kennt, hat an einen Vortrag von ihm allerhöchste Erwartungen; denen entspricht er nun auch völlig, er verbindet rhetorischen Glanz mit geistlicher Tiefe. Dann folgen die Vorträge von Stephan J. Koster und von Michael Chronz. Auch diese beiden Referenten überzeugen durch Persönlichkeit und Qualität der Gedanken.
Und nun die Vesper: wieder kann ich eintauchen in die Psalmen, in die lateinischen Gesänge, merke, wie ich mit ganzem Herzen Lateiner bin.
Am Abend noch der Vortrag von P. Almiro de Andrade. Gerade jetzt, nach einem reichgefüllten Tag, hat er über das trockenste unserer Themen zu sprechen. Wie er dieses Thema mit Leben füllt, so daß die Müdigkeit des Abends keinen Raum bekommt, ist beeindruckend.
Am Sonntagmorgen ein Levitenamt. Ich bin mitgerissen von dem reichsten Ritus meiner Kirche.
Und dann habe ich die Gelegenheit, über die zwei Seiten in meinem Inneren zu sprechen: «Gesang und Gestus in östlicher und westlicher Liturgie». Und als der byzantinische Kantor, der an meinem Vortrag mitwirkt, erklärt, er habe sich in meinen Worten wiedererkannt, sehe ich: es ist geschafft. Dank den beiden Kantoren!
Und nun kann ich mich auf die lateinische Vesper freuen.
W.H.W

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Sonntag, 24. Juni 2007

Wir stellen Instrumente aus

Museumsfest in Dinslaken. Wir stellen Musikinstrumente aus – mittelalterliche Instrumente, Volksinstrumente aus aller Herren Ländern.
Die Instrumente, sorgsam über den Raum verteilt, machen einen prachtvollen Eindruck. Wir freuen uns über die vielen Besucher, die großes Interesse zeigen. Am eindrucksvollsten ist es, wenn der Maëstro selbst sie vorspielt. Aber in anderer Weise beeindruckend ist es, wenn Kinder erstaunt und wißbegierig die Instrumente betrachten, wenn die Mütter sie dazu noch anspornen. Bald hat man ihnen dann viel zu erklären; und bald hat dann auch jemand ein Instrument in der Hand – bitte mit beiden Händen halten! –, ein Kind oder, wenn das noch zu schüchtern ist, seine Mutter. Und dann ist zu erleben, wie Kinder, wie Mütter (oder auch Tanten) entdecken, auf welch exotischen Instrumenten sie spielen können. Und so verbindet sich Freude an den neuentdeckten Fähigkeiten (soll noch mehr daraus werden? – der Maëstro gibt gern Unterricht) mit Freude an der Musik; und nebenbei lernen sie Spielweise und Geschichte abendländischer Musikinstrumente kennen.
W.H.W

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Papst Benedikt XVI.

Donnerstag, 19. April 2012

Sieben Jahre großer Fruchtbarkeit

Joseph, der Sohn Israëls, sagte voraus, daß sieben Jahre großer Fruchtbarkeit in ganz Ägypten kommen werden und danach sieben Jahre des Not; und, vom Pharao als Statthalter eingesetzt über ganz Ägypten, ließ er Feldfrüchte die Jahre der Fruchtbarkeit hindurch in Speicher sammeln; so wurde das Land von der Not nicht aufgerieben.
Joseph Ratzinger, vom Herrn als Statthalter eingesetzt über die ganze Kirche, hat der Kirche sieben Jahre großer Fruchtbarkeit bereitet durch seine Schriften, seine Reden, seine Anordnungen – indem er dem überlieferten Ordo Raum geschaffen hat, die Bischöfe der Piusbruderschaft von der Exkommunikation befreit hat, die Anglikanerordinariate gegründet hat – und mit solchen Früchten die Speicher der Kirche gefüllt, so daß für die kommenden Jahre keine Not befürchtet zu werden braucht.
• In honorem sanctissimi patris Benedicti PP. XVI •
W.H.W

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Freitag, den 20. April 2012

Das Thema «Liturgie» bei Protestanten

Einen Vortrag über «Die psychologische Weisheit der Liturgie» habe ich im Gemeindesaal der Lutherkirche in Oberfrohna zu halten. Ein kleiner Kreis engagierter Menschen. Zu Anfang werde ich gefragt, ob das nicht eher ein Thema für Katholiken sei. Zum Schluß meinte man, statt «christliche Liturgie» hätte man auch «christliches Leben» sagen können. Und ob man mich weiterempfehlen dürfe.
Man darf.
W.H.W

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Nach dem Konklave, März 2013

Papst Franciscus

Alle reden über Papst Franciscus. Er wird gelobt, er wird bekrittelt – und das, was die einen bemängeln, ist gerade das, was die anderen loben. Was läßt sich wirklich von ihm sagen?
Eines ganz sicher: er hat das schwere Los, Nachfolger eines großen Vorgängers zu sein.
Doch auch von ihm darf man etwas erhoffen – nicht daß ich es erwartete, doch ich hoffe. Ich hoffe, daß er – woran Papst Benedikt sein übergroßer Sinn für Loyalität gehindert hat – die deutsche und die römische Lehmannkirche in die Schranken weisen wird (wobei mir auffällt, daß Traditionalisten und Modernisierer in der Übersetzung von «Lehmann» ins Italienische übereinstimmen). Ich hoffe gar, daß, so wie einst Pius XII. den Kommunismus feierlich verurteilt hat, er ebenso den Marktliberalismus verurteilen wird.
Was besonders am neuen Papst bemerkt wird, ist seine Schlichtheit im Auftreten. Doch was ich an ihm wahrnehme, ist vor allem eine gewisse Unsicherheit. Daher ist seine Bescheidung in der Form wohlverständlich: wer die große Form übt, ohne den rechten Sinn dafür zu haben, ist schnell in Gefahr, den wohlbekannten einen Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen zu tun (was ich bei unserem hohen Klerus durchaus erlebt habe).
Doch peinlich wird es, wenn die (ja durchaus liebenswerte) menschliche Schwäche zur Tugend umgedeutet wird. Sicher ist so mancher angetan davon, gar begeistert, wenn ein Papst, anders als seine Vorgänger, ganz schlicht, gleichsam als «Mensch wie du und ich» auftritt. Doch solch eine Popularität nährt sich von der Substanz: wenn nacheinander mehrere Päpste so aufträten, wäre es nichts Besonderes mehr, sondern nur noch langweilig. So liegt der Verdacht nahe, daß, wer diese Art des Auftretens des neuen Papstes gegen seine Vorgänger ausspielen will, sich eigentlich gegen das Papsttum selbst wendet.
Im Glanz der Tiara konnte Leo XIII. der Kirche die katholische Soziallehre auftragen (er war 81 Jahre alt, als er die große Enzyklika Rerum novarum verfaßte; nach heutigem Kirchenrecht hätte er in diesem Alter als Bischof längst seinen Rücktritt angeboten haben müssen, hätte er als Kardinal nicht mehr an einem Konklave teilnehmen können). Als er 92 Jahre alt war, schrieb Stephan George sein Gedicht «Leo XIII.»: «Heut da sich schranzen auf den thronen brüsten / Mit wechslermienen und unedlem klirren: / Dreht unser geist begierig nach verehrung / Und schauernd vor der wahren majestät / Zum ernsten väterlichen angesicht / Des Dreigekrönten wirklichen Gesalbten ... Wenn angetan mit allen würdezeichen / ... / ER eingehüllt von weihrauch und von lichtern / Dem ganzen erdball seinen segen spendet: / So sinken wir als gläubige zu boden / Verschmolzen mit der tausendköpfigen menge / Die schön wird wenn das wunder sie ergreift.»
Im Glanz der Tiara konnte Pius XI. den Antisemitismus, dann den Faschismus, dann den Nationalsozialismus verurteilen, konnte Pius XII. (er trug es die Tiara nur ungern, aber er wußte sie doch mit Würde zu tragen) Tausenden Juden in den Gebäuden des Vatikan Zuflucht verschaffen, die Rettung Zehntausender zumindest, wenn nicht gar Hunderttausender (so Pinchas Lapide) in ganz Europa in Gang setzen. Daß die Autorität eines «Papa nudo»*) unserer Zeit dazu ausreichte, ist nicht sicher.
Wer aber angesichts des Namens des neuen Papstes vom «Poverello» träumt – an sich durchaus berechtigt –, der hüte sich, die Langweiligkeit heutiger Pfarrerinitiativenpfarrer und Memorandumstheologen auf diesen großen Heiligen zu projizieren: «Calices, corporalia, ornamenta altaris et omnia, quae pertinent ad sacrificium, pretiosa habere debeant» – an diese Forderung des heiligen Franciscus hat kürzlich Pietro C. erinnert.

*) «Arriva il papa nudo» zitierte in einer Predigt „nach dem Konklave“, in der Papst Franciscus gegen seinen Vorgänger instrumentalisiert wurde, ein Münsteraner Theologieprofessor (der auch zuvor schon Sonderbares äußerte) eine Überschrift einer ungenannten italienischen Zeitung, die freilich im Netz unbekannt ist.
W.H.W

Nachtrag von Donnerstag, 26 September 2013 / Samstag, 12. Juli 2014:
Eine gewisse Unsicherheit – nein, das war ein vorschneller Eindruck von Papst Franciscus: unsicher sieht man ihn nur, wenn er mit einem Pfingstlerhäuptling kaspert. Eine sehr viel treffendere Charakterisierung gibt Lucrecia Rego de Planas: PERPLEJIDAD, una carta al Papa Francisco (das Original des Textes ist leider aus dem Netz genommen).
W.H.W

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225. Jahrestag des Todes des seligen Innozenz XI.

Dienstag, 12. August 2014

Das Ende vom Anfang vom Ende des Nepotismus

Im frühen Mittelalter war man noch weit entfernt vom Gewaltmonopol des Staates. Darum sahen sich Herrscher und Landesherren genötigt, alle wichtigen Machtpositionen mit Vertrauten und am besten mit nahen Angehörigen zu besetzen. Die Päpste folgten nicht selten diesem Beispiel – nicht erfreulich, aber auch nicht verwunderlich, vielleicht kaum vermeidlich.
Doch in der Renaissance, als sich die politischen Verhältnisse etwas konsolidiert hatten (zuzugeben: im Italien der Condottieri noch am wenigsten), fand diese Unsitte nicht etwa ihr Ende, sondern wurde von Papst Sixtus IV. (1471-1484) auf den Höhepunkt getrieben: die Zeit des Nepotismus, der „Nepoten“ der Päpste begann.
Der Nepotismus entsprach dem Denken jener Zeit: es war die große Zeit des Adels, adelige Abstammung war im säkularen Bereich das, was dem Menschen am meisten seinen Rang zuwies. Und wenn den Angehörigen säkularer Herrscherhäuser das höchste Ansehen und auch der höchste Wohlstand zukam, wer wollte (wenn er entsprechend weltlich dachte) den Päpsten verdenken, daß sie für ihre Angehörigen Ähnliches anstrebten?
Für die Kirche aber wurde daraus ein gravierendes Übel, das nichtsdestoweniger zwei Jahrhunderte hindurch schwere Schäden anrichten konnte. Doch 1676 wurde Benedetto Odescalchi zum Papst gewählt, Innozenz XI., der sich in jeder Weise für das Heil der Seelen und das Wohl der Armen einsetzte und die Abschaffung des Nepotismus zu einem zentralen Anliegen seines Pontifikats machte.
Aber die Bulle, mit der er dem Nepotismus endgültig ein Ende bereiten wollte, scheiterte am Widerstand der Kurie.
Am 12. August 1689 starb Papst Innozenz XI., am 6. Oktober wurde sein Nachfolger gewählt, Alexander VIII., der konsequent zum Nepotismus zurückkehrte.
Doch dieser Sieg des Zeitgeistes war nicht von Dauer; auf Alexander VIII. folgte Innozenz XII., der nicht nur dem Namen nach sich Innozenz XI. anschloß, sondern der auch die Bulle durchsetzte, die dem Nepotismus wirklich ein Ende bereitete.
W.H.W

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Papst Paul VI.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Ein seliger Papst — ein unseliger Pontifikat

Ein glaubhaftes Wunder (seit der Reform Johannes Pauls II. Reicht ein einziges ja aus): die Seligsprechung Papst Pauls VI. scheint korrekt vonstatten gegangen zu sein.
Paul VI.: ein hochgebildeter frommer Mann, gewissenhaft, so gewissenhaft, daß er zerquält wirkte, mit so wenig Sinn für das Empfinden von Menschen, daß er trocken und den Menschen fern erschien, dabei völlig festgelegt auf seine ganz persönlichen Ideen.
Durch das Motu Proprio «Ecclesiae Sanctae» von 1970 verpflichtete Papst Paul die Bischöfe, mit fünfundsiebzig Jahren ihr Amt aufzugeben; dabei berief er sich auf das Dekret «Christus Dominus» des II. Vaticanum – irreführend: er ignorierte die Bedingung, das «si», in n. 21 des Dekrets. Nun ist es aber seit jeher Norm in der Kirche, im Westen wie im Osten, daß ein Bischof sein Amt bis zum Tode auszuüben hat, wenn er nicht, durch Krankheit etwa oder Gefangenschaft, daran gehindert ist und sich keine schweren Vergehen zu schulde hat kommen lassen. Daß der Papst dabei ein schlechtes Gewissen hatte, ist daran zu sehen, daß er die Bischöfe nicht etwa, sobald sie die Altersgrenze erreicht haben, für abgesetzt erklärte, sondern sie sich an dieser Unregelmäßigkeit beteiligen ließ. Als Bischof von Rom folgte er fünfundsiebzigjährig nicht dem eigenen Motu proprio. Durch das Motu Proprio «Ingravescentem aetatem» von 1970 schloß er die Kardinäle, die achtzig Jahre oder älter waren, vom Konklave aus. Bis dahin hatten die Päpste keinerlei Recht beansprucht, irgendeinen Kardinal vom Konklave auszuschließen; selbst exkommunizierte Kardinäle konnten sich beteiligen.
Er schaffte 1973 mit dem Motu Proprio «Ministeria quaedam» die niederen Weihen ab (zwei davon wurden dabei durch «Beauftragungen» ersetzt, Beauftragungen, die also ausdrücklich keine Weihen sind). Daß er dabei selbst den von alters her in fast allen Kirchen bekannten Subdiakonat abschaffte, entsetzte sogar Bernard Botte (Témoignages et souvenirs / Le mouvement liturgique. Paris 1973), Mitglied der zuständigen Kommission.
Das Konzil von Trient (Sessio XXIII: Doctrina de sacramento Ordinis, Cap. 2. [de septem Ordinibus]) hatte erklärt, daß Einmütigkeit darüber bestehe, daß es mehrere und verschiedenartige Ordines, Weihen gebe, damit man durch die niederen zu den höheren aufsteigen könne, damit das Priesteramt würdiger und mit größerer Verehrung ausgeübt werden könne. Und unter den «Canones de sacramento ordinis» belegt der zweite den mit einem Anathema, der sagt, es gäbe außer dem Priesteramt in der Kirche keine anderen Ordines, niedere und höhere, durch die gleichsam durch gewisse Stufen zum Priesteramt gestrebt wird.
Die vom II. Vaticanum angeordnete Liturgiereform war 1965 zu Ende gebracht worden – das stellte Kardinal Amleto Giovanni Cicognani ausdrücklich fest im Vorwort zu dem in diesem Jahr erschienenen Schott. Doch Papst Paul ließ eine Kommission unter Annibale Bugnini weiterreformieren. In dieser neuen Runde von Reformen wurden die Anordnungen des II. Vaticanum kaum mehr beachtet. «Neuerungen sollen nicht erfolgen, wenn nicht ein wahrer und gewisser Nutzen für die Kirche das fordert», hatte das Konzil in «Sacrosanctum concilium» angeordnet (§ 23). Ebenda hatte es auch angeordnet, daß aller Reform eine «sorgsame theologische, historische, pastorale Untersuchung immer vorangehe». Das geschah kaum. Ein kleines Beispiel ist das Schuldbekenntnis, in dem man zuvor den Heiligen die Sünden bekannte, um sie dann um Fürsprache zu bitten. Nach der Reform aber werden die Heiligen nur noch einmal angesprochen, bei der Bitte um ihre Fürbitte. Abgesehen vom «wahren und gewisen Nutzen», der davon sicher nicht zu erwarten ist: zwar wurde auch in den ältesten Quellen die Reihe der Heiligen nur einmal genannt, hier aber beim Bekenntnis. Soviel zur «sorgsamen historischen Untersuchung».
Die «tätige Teilnahme» des Volkes, der ein ganzer Hauptabschnitt von «Sacrosanctum concilium» (II. De liturgica institutione et de actuosa participatione prosequendis) gewidmet ist, begann mit dieser Reform mehr und mehr abgebaut zu werden (siehe: W.H.W.: Die neuere Geschichte der «actuosa participatio». E&E 17 (2012), S.39-42).
Die Messe nach der Ordnung Annibale Bugninis als wurde «Missa Normativa» 1967 einer Bischofssynode vorgeführt (sicherlich das erste Mal in der Kirchengeschichte, das eine Messe vorgeführt wurde); sie fand nicht die Zustimmung der Bischöfe. Dennoch ließ der Papst Mons. Bugnini weitermachen. Ein Mitglied seiner Kommission, Louis Bouyer, machte den Papst darauf aufmerksam, daß Mons. Bugnini ihn, den Papst, ebenso wie die Kommision täuschte – seine eigenen Ideen gab er der Kommission gegenüber als Forderungen des Papstes, dem Papst gegenüber als Wünsche der Kommission aus. Dennoch ließ der Papst ihn weitermachen. 1969 wurde die wenig veränderte «Missa Normativa» als «Novus Ordo Missae» allgemein vorgeschrieben. Bald darauf haben die Kardinäle Ottaviani und Bacci ihr «Breve esame critico» dieses Ordo herausgegeben. Ändern ließ der Papst daraufhin zwar das Vorwort, am Ordo selbst aber nichts. 1970 wurde dieser Ordo, der sich von den Vorgaben des II. Vaticanum weit entfernt hatte, aber nichtsdestoweniger als deren Ausführung ausgegeben wurde, dann verbindlich.
Anerkennung und Wertschätzung hatte das II. Vaticanum Christen und Juden einander gegenüber anbefohlen («Nostra aetate», § 4). In der neuen Leseordnung wurde an Allerheiligen die Aufzählung der Stämme Israels aus der Apokalypselesung gestrichen (siehe: W.H.W.: Antijudaïsmus in der Liturgie? E&E 1 (1996), S.10-12).
Dies ist nicht die einzige Perikope, die durch Kürzung entstellt wurde. Die Epistel vom Gründonnerstag (I. Cor. 11, 20-32 / neu: 23-26) wurde so beschnitten, daß ihre Kernaussage fehlt: die Warnung, unwürdig Leib und Blut des Herrn zu empfangen (v. 27-29).
Bereits 1964 hatte Papst Paul die notwendige Nüchternheit vor dem Kommunionempfang auf eine Stunde reduziert. Bis zur Mitte des Jahrhunderts war in der lateinischen Kirche so wie in allen Kirchen des Ostens (mit Ausnahme der abendlichen Messen an wenigen besonderen Tagen des Kirchenjahrs: da bleibt der orthodoxe Christ von Mittag an nüchtern) Nüchternheit von Mitternacht an selbstverständlich. Papst Pius XII. erlaubte, vor allem um Abendmessen zu ermöglichen, sie für Speisen auf drei, für Getränke auf eine Stunde zu reduzieren; doch zugleich empfahl er, bei der alten ökumenischen Regel zu bleiben. Indem die Nüchternheit nun durch Paul VI. auf eine Stunde reduziert wurde, wurde sie praktisch unerheblich, wurde sie bald vergessen. Zudem war dann im Zuge des Abbaus der «actuosa participatio» das Knieen beim Kommunionempfang vielerorten weggefallen. Schwerwiegende Schritte zur Veralltäglichung des Sakraments (in den Achtziger Jahren hörte ich eine katholische Studentin sagen: «Wenn ich mir vorstellte, daß die Hostie wirklich Leib Christi sei, könnte ich nicht zur Kommunion gehen»).
1972 stellte Papst Paul fest: «Wir haben das Gefühl, daß durch irgendeinen Spalt der Rauch des Satans in den Tempel Gottes eingedrungen ist.» Doch er änderte nichts; so blieb das die Bilanz seines Pontifikats.
W.H.W

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Samstag, 24. April 1915 — Freitag, 24. April 2015

Aghet

Sayfo 

Eriwan: Denkmal des Völkermords

R. I. P.

Orietur Occidens

Samstag, 13. Juni 2015

50. Jahrestag des Todes von Martin Buber

Ein großer jüdischer Denker – was aber haben Christen seiner zu gedenken?
Ich weiß drei Antworten:
I. «Du»: in eine Zeit, in der auch Christen begonnen haben, in Gott nur einen unbestimmten Weltgeist, nur ein Prinzip zu sehen, stellt Martin Buber die Forderung hinein, in Ihm die Person zu sehen, zu der wir «Du» sagen können (das «ewige Du» – diese Einsicht ist nicht zu entwerten durch Kritik an einzelnen Implikationen von Martin Bubers Werk).
II. «Erfolg ist kein Name Gottes» (Frankfurter Hefte 6, S. 195f., 1951): in eine Zeit der Vergötzung des Erfolgreichen erklärt Martin Buber den Erfolg für unwesentlich (nicht, daß er nicht erstrebenswert wäre – aber für den Wert einer Person und ihres Tuns ist er unwesentlich).
III. «Bund des Friedens»: Mit anderen Juden begründete er den«Brîth Schalôm», einen Bund, der Versöhnung suchte zwischen Juden und Arabern. Dieser Bund war erfolglos gegen die Macht des Hasses auf beiden Seiten. Doch er war auf Frieden im Heiligen Land gerichtet, auf einen Frieden, der jenem Haß den Nährboden hätte entziehen können, aus dem all das weitere Unheil für Juden und Araber entstanden ist, einem Haß, der auch mitverantwortlich ist für die Christenverfolgung, die heutzutage den Nahen Osten heimsucht, das Gebiet, in dem der christliche Glaube seinen Lauf begonnen hat.
W.H.W

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Völkermord an den Armeniern

Freitag, 18. September 2015

Heute vor 120 Jahren: der erste Akt

An diesem Tag demonstrierten Armenier in Istanbul friedlich für ihre bürgerlichen Rechte. Darauf reagierte die Regierung mit Massakern an Armeniern in Istanbul und in etlichen weiteren Städten des Osmanischen Reiches.
Schon im Jahr zuvor hatte es Massaker in Sasun (türkisch: Sason) gegeben, aber aus einem lokalen Anlaß heraus; sie richteten sich noch nicht gegen das ganze armenische Volk.
Zwölf Jahre später kamen die „Jungtürken“ an die Macht (auf die Armenier zunächst gutgläubig ihr Vertrauen setzten). Während für die Massaker von 1909 und den Völkermord von 1915 diese die Verantwortung trugen, lag die für die Massenmorde von 1895-96 also bei Sultan Abdülhamid.
«Wer spricht denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?» sagte Hitler am 22. August 1939 bei einer Geheimrede an die Oberkommandierenden der Wehrmacht (er sprach damals von den Polen: «Wir müssen mitleidslos wie Dschingis Khan Männer, Frauen, Kinder, Greise der polnischen Rasse vernichten» – was die Juden betrifft, äußerte er sich vor diesem Kreis nicht so offen).
Ebendarum auch ist es an uns, davon zu sprechen.
W.H.W
• 1915 – 2015 / Centenaire du génocide arménien • 
• Völkermord an den Armeniern •

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P. Maximilian Kolbe: 75. Jahrestag

Freitag, 29. Juli 2016

«Ich will statt seiner sterben»

Heute vor 75 Jahren forderte P. Maximilian Kolbe mit diese Worten in Auschwitz den Lagerleiter auf, ihn, den Priester und Ordensmann, als Opfer zu nehmen anstelle des Familienvaters Franciszek Gajowniczek.
P. Maximilian Kolbe starb nach zwei Wochen im Hungerbunker am 14. August an einer Phenolspritze. Seine letzten Worte an den Exekutor: «Sie haben vom Leben nichts verstanden. Der Haß nützt nichts. Nur die Liebe schafft.»
Franciszek Gajowniczek starb 1995, seine Frau Helena 1977.
W.H.W

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Scho’a

Donnerstag, 23. Oktober 1941 — Sonntag, 23. Oktober 2016

Die endgültige Entscheidung zum Völkermord: 75. Jahrestag

Von Anfang an hat es unter dem NS-Regime Übergriffe, oft mörderische Übergriffe gegen Juden gegeben. Nach den Progromen der „Reichskristallnacht“, seit dem Beginn des Krieges im Osten kam es immer mehr zu Massenmorden. Aber der 23. Oktober 1941 zeigte es endgültig, daß nicht Vertreibung beabsichtigt war, sondern der Völkermord: Juden wurde an diesem Tag die Auswanderung untersagt.
W.H.W

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500 Jahre „Reformation“

Dienstag, 31. Oktober 2017

Ein unerfüllter Segenswunsch aus dem XVI. Jahrhundert

Aus dem Schreiben des Ökumenischen Patriarchen Jeremias II. von 1576 an die Wittenberger Reformatoren:
«Wenn Wir Euch aber in manchen Stücken unserer Lehre nicht im ersten Augenblicke erfreuen; so getrösten Wir uns doch Ihr werdet nach Eurer Weisheit nichts der wahren und gesunden Lehre vorziehen und Euch der ganz neuen Meinungen und Lehren, die der wahren evangelischen Philosophie Jesu Christi durchaus zuwider sind, entschlagen und Eure Zeit nicht in der Abweichung vom wahren Glauben und mit Veränderung einer Lehre in die andere verderben. Ihr werdet auch nicht hartnäckig auf Meinungen, die der gesunden Vernunft widersprechen, verharren, sondern vielmehr nach dem, was wahr und recht ist, trachten, und anhängen der wahren Weisheit unsers Herrn Jesus Christus, welche seine heiligen Jünger und Apostel in ihren canonischen und heilsamen Schriften bekennen, an die sich alle allgemeine und besondere Kirchenversammlungen, wie auch die heiligen Väter gehalten haben, und die uns der einigen, heiligen Kirche Prediger und Lehrer, welche den Verstand und die Wissenschaft Gottes haben, vortragen, und worin Alle miteinander übereinstimmen.»
– Des Herrn Patriarchen . . . . . Sendschreiben an Dr. Jakob Schmidle und Martin Krausen, sammt ihren Mitverwandten der Augsburgischen Confession –
Urtheil der Orientalischen Kirche und ihres Patriarchen zu Konstantinopel über die Augsburgische Confession mit einigen Bemerkungen herausgegeben von Johann Georg Pfister ehemals Pfarrer zu Ober-Leichtersbach. Würzburg 1827
Siehe auch: • Das Rätsel der „Reformation“ •
W.H.W

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